Spracherwerbs- und Lektürephase bis zum Graecum

GRUNDSÄTZLICHES zu AUFGABEN und ZIELEN des GRIECHISCHUNTERRICHTS

Der Hauptakzent des Unterrichts liegt von Anfang an auf den ideen- und kulturgeschichtlich relevanten Inhalten, die durch die griechische Literatur (original oder adaptiert) vermittelt werden.
Die Impulse, die von der Auseinandersetzung mit antiken griechischen Positionen für eine kritische Bewältigung der Moderne und Gegenwart ausgehen, bilden das Zentrum des Griechischunterrichts.
Der Griechischunterricht dient der Förderung folgender Fähigkeiten (u.a.):

  • KOMMUNIKATIONSFÄHIGKEIT: Die Texte regen zur Beschreibung des neu Erkannten und zu eigener Stellungnahme an. Zugleich zwingt die größere Differenziertheit der Ausdrucksmöglichkeiten des Griechischen zum nuancierten Gebrauch der eigenen Sprache.
  • PROBLEM- und VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN: Die Menschen der griechischen Antike denken und handeln als in menschliche Gemeinschaft und Staatlichkeit eingebundene Individuen. Alle dargestellten Konflikte gehen aus der Wechselwirkung zwischen Privatem und Öffentlichem Interesse, zwischen Ethik und Politik hervor und fordern in besonderer Weise den Vergleich mit modernen handlungsethischen Positionen heraus.
  • KRITIK- und ARGUMENTATIONSFÄHIGKEIT: Die griechische Kultur stellt sich umfassend als eine Kultur des Wettbewerbs dar. In den meisten Bereichen wird dieser Wettbewerb durch Argumentation ausgetragen. Es ist ein Hauptmerkmal der griechischen Literatur, dass unterschiedliche / gegensätzliche Standpunkte im Dialog aufeinandertreffen und dort entwickelt werden. Dabei können die Leser / Zuhörer weitgehend frei von Deutungsvorgaben Positionen gegeneinander abwägen und bewerten.

A. SPRACHERWERBSPHASE ( zeitlicher Umfang: max. 10 Wochenstd. in Sek. I )

Für die Behandlung der verbindlichen und der fakultativen Unterrichtsinhalte
gelten die folgenden Grundsätze (vgl. LPL S. 2/3):

Der Sprachunterricht vollzieht sich auf der Grundlage

– der Ökonomisierung des Grundwissens (Basisgrammatik)
– des sprachreflektorischen Ansatzes
– der Anwendung an Textgrammatik und Textpragmatik orientierter Erschließungsmethoden
– des Zusammenhanges von Form und Inhalt (‚Funktion vor Form’)
– der Reflexion von Lernprozessen
– der Verbindung von Texterschließung, Übersetzung und Interpretation
– der systematischen Förderung der Lektürefähigkeit
– rezeptionsgeschichtlich relevanter Inhalte (Interpretation)

I. Verbindliche Unterrichtsinhalte (soweit sie nicht im LPL formuliert sind )

1. Das der Spracherwerbsphase zu Grunde liegende Lehrwerk ist ‚HELLAS’.
2. Verbindlich zu behandeln sind Grammatik und Vokabular der Lehrbuchlektionen 1 – 104.
3. Die noch verbleibenden Grammatikkapitel ( Schwerpunkt: athematische Konjugation ) sind anhand geeigneter Originaltexte zu behandeln ( siehe fakultative Inhalte )
4. Umstellungen in der Abfolge der im Lehrplan vorgegebenen Unterrichtsinhalte sind lehrbuchbedingt.

II. Fakultative Unterrichtsinhalte

Textvorschläge für die Behandlung von Grammatikkapiteln außerhalb
des Lehrbuchs:
1. HELLAS, Lektion 18 / 19 ( Aorist ) sollte ersetzt werden durch
LEXIS (alt), Lektion 6
2. HELLAS, Lektion 53 / 54 ( Optativ ) sollte ersetzt werden durch
LEXIS (alt), Lektion 20 / 21
3. Das Johannes – Evangelium eignet sich zur Einführung der athematischen
Konjugation.
4. Auszüge aus Apollodor ( Trojanischer Krieg), Diodor ( Orpheus, Herakles ) und
Äsop ( Rabe und Fuchs, Löwe und Maus) empfehlen sich zur Einübung der
Formen und der Funktion der Partizipien, der Aktionsarten und des direkten
und indirekten Mediums.
5. Textbeispiele aus Xenophon, Anabasis / Kyrupädie können u.a. zur Vertiefung
syntaktischer Strukturen ( z. B. Konditionalsätze ) und zur Wiederholung von
Stammformen herangezogen werden.
6. Kernstellen aus Lukian, Ikaromenippos eignen sich zur vertieften Behandlung des Optativs ( als Wunsch und obliquus )

B. LEKTÜREPHASE ( zeitlicher Umfang bis zum Graecum in Jahrgangsstufe 11:
5 Wochenstd. )
Themen und Kernbereiche
verbindlich: das Halbjahresthema und ein thematischer Kernbereich

11 I
THEMA Archaische Dichtung I

Kern-
bereich Die Entdeckung der Individualität

Das Verhältnis von Gott und Mensch /
das Problem der Einheit der Person und
der Autonomie menschlichen Handelns –
„Ich bin Odysseus“ HOMER,
Odyssee

Offenlegung der Gefühle Sappho, Alkaios,
Ich und Gesellschaft Archilochos
11 II
THEMA Sokrates und die Sophistik

Kern-
bereich Die Gestalt des Sokrates

Dialektik als Form des Philosophierens Platon, Apologie
sokratisches und sophistisches
Verständnis von Philosophie, die
Problematik von Wissen und Weisheit

Sokratesbilder Xenophon, Memorabilien
Aristophanes, Wolken

III. Methoden- und Medienkompetenz / Projektarbeit

Die Auswahl und der Einsatz unterschiedlicher Arbeitsformen und Medien erfolgt

– problemorientiert
– inhaltsbezogen
– ausgehend von Interessenschwerpunkten der Schülerinnen und Schüler
– voraussetzungslos bzw. kompensatorisch
– mit dem Ziel, die Eigenständigkeit, die Motivation und den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
– in der Lektürephase als Hinführung zu den methodischen Anforderungen der Qualifikationsphase

In der Spracherwerbs- und Lektürephase bis zum Erreichen des Graecums sind
verbindlich zu erproben und weiterzuführen :

– Hinführung zur Erstellung von Referaten ( Umgang mit Quellen, Aufbau, Vortrag )
– Einführung in die Internet – Recherche, mit dem Ziel, gefundenes Material zu ordnen und zu bewerten
– Einüben sach- und adressatenbezogener Präsentationstechniken
– Unterrichtseinheit zum Umgang mit Lexika und Sachliteratur
– internetgestützte Vor- und Nachbereitung von Projekten / Lehrausflügen
– Einsatz von Bildmaterial als Texterschließungs- und Interpretationshilfe
– zwei Projekte aus den Themenbereichen Philosophie, Geschichte, Archäologie, Mythos
– ein fächerübergreifendes Projekt zum Thema

Architektur (Kooperation mit Kunst)
oder Mythenrezeption, Beispiel: Prometheus (Kooperation mit Deutsch)
oder Demokratie (Kooperation mit Geschichte)

Fakultativ ist die Einführung einer EDV gestützten Vokabelkartei.

IV. Klassenarbeiten

a) In der Spracherwerbs- / Lektürephase bis Klasse 10 sind 3 Klassenarbeiten (einstündig) pro Halbjahr verpflichtend.

b) Die Klassenarbeiten in der Spracherwerbsphase bestehen verpflichtend aus
3 Teilen:
– Übersetzung ( Anzahl der Wörter: 80 – 90 )
– Übung(en) zur Sprachbeobachtung
– Interpretation ( mit steigendem Anspruch )

d) In der Lektürephase ab Jahrgangsstufe 11 sind 2 Klausuren (zweistündig, mit Lexikon ) pro Halbjahr verpflichtend.

e) Die Klausuren in der Lektürephase bestehen verpflichtend aus 2 Teilen, die im Verhältnis 2 : 1, in Ausnahmefällen im Verhältnis 3 : 1 gewertet werden:

– Übersetzung: Originaltext ( Anzahl der Wörter: ca. 100 )
– Interpretation: u. a. Fragen zur Metrik und Stilistik ( als Teilaufgaben ),
Vergleichs- / Sekundärtexte, Bildvergleich, Bezugnahme
auf Projektergebnisse

f) Zur Bewertung der Übersetzungsleistung siehe Kriterien im Curriculum LATEIN

g) In der Jahrgangsstufe 11 sind der allgemeine und der fachspezifische Fehlerindex der VOGO gültig ab 1. 8. 2002 anzuwenden.

V. Außerschulische Aktivitäten

– Teilnahme am Bundeswettbewerb Fremdsprachen (Latein / Griechisch )
– Teilnahme am Seminar für Griechischschüler ( „Griechisch – Akademie“ )
– Museumsbesuche / Lehrausflüge:
Liebieghaus – Frankfurt, Antikensammlung – Kassel, Martin-von-Wagner-Museum – Würzburg, Weimar, “Weimarer Klassik„

Stand: 11 – 2002 Vr